Recycling, Reparatur und Wiederverwendung sind längst mehr als Ökothemen – sie sind zum wirkungsvollen Risikomanagement im Mittelstand geworden und senken messbar Kosten entlang des Produktlebenszyklus. Der aktuelle Beitrag im Handelsblatt zeigt anhand konkreter Beispiele, wie zirkuläre Ansätze die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten und fragilen Lieferketten reduzieren und gleichzeitig neue Ertragsquellen öffnen – ein doppelter Hebel für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Warum Zirkularität Risiken senkt
- Weniger Primärrohstoffe, mehr Sekundärmaterial: Wer Materialien im Kreislauf hält, ist weniger anfällig für globale Störungen wie Suez-Blockaden, Exportrestriktionen oder pandemiebedingte Engpässe.
- CO₂-Kosten abfedern: Steigende Zertifikatspreise im EU-Emissionshandel treffen Unternehmen mit hoher Material- und Energieeffizienz deutlich schwächer – Zirkularität wirkt hier als Kostendämpfer.
Praxis: Jungheinrich als Vorbild
- Remanufacturing zahlt sich aus: Generalüberholte „So‑gut‑wie‑neu“-Gabelstapler mit Garantie verlängern Nutzungsdauern, senken TCO und stärken Kundenbindung; Batterien durchlaufen Second‑Life‑Einsätze in Leihfahrzeugen und später als stationäre Speicher – ein Zyklus, der Kosten senkt und neue Umsätze schafft.
- Vom Produktverkauf zum Service: Durch Rücknahme, Aufarbeitung und Wiedervermarktung entwickelt sich das Geschäftsmodell hin zu dauerhaften Serviceerlösen und gesichertem Materialzugriff.
Erfolgsfaktoren laut Studie
- Zirkulär aufgestellte Unternehmen performen besser: Ein vom IW betrachteter Index (u. a. Umsatz, Beschäftigung, Investitionen) attestiert zirkulären Firmen spürbare Vorteile – getrieben durch stärkere Vernetzung und Kooperationen über Branchengrenzen hinweg.
- Ökosysteme statt Silos: Materialkreisläufe schließen sich selten allein; Partnerschaften mit Kunden, Wettbewerbern und Aufbereitern sind der Schlüssel zur Skalierung.
Hürden aus der Praxis
- Rücknahmemengen und Logistik: Mittelständler wie Marantec zeigen, dass der Zugang zu ausreichend Altgeräten und die Organisation der Rückführung zentrale Engpässe bleiben.
- Regulatorik noch zu linear: Rechtliche Vorgaben können den Wiedereinbau funktionsfähiger Teile verhindern – Normung und Anpassungen sind nötig, um Zirkularität zu erleichtern.
Konkrete Schritte für KMU
- Design for Circularity: Modularität, Reparierbarkeit, lösbare Verbindungen und klare Materialkennzeichnung reduzieren Demontagezeiten und erhöhen Wiederverwendung.
- Rücknahmesysteme aufbauen: Über Kooperationen mit Kunden und sogar Wettbewerbern Stückzahlen bündeln, um Remanufacturing wirtschaftlich zu betreiben.
- Second‑Life und Serviceerlöse: Komponentenzweitnutzung und Serviceprodukte (Leihgeräte, Upgrades, Refurbishment) als margenstarke Ergänzung etablieren.
- CO₂‑Kostenexponierung prüfen: Effizienz- und Materialkreislaufmaßnahmen priorisieren, um zukünftige Preisschocks im Emissionshandel abzufedern.
Dieser Blogbeitrag fasst zentrale Aussagen des Artikels „Wie Mittelständler mit der Kreislaufwirtschaft Risiken abfedern“ (Handelsblatt, 10.10.2025) zusammen und überträgt sie in handlungsorientierte Empfehlungen für produzierende Mittelständler.

